Wie die Zeit vergeht

Ihr glaubt nicht, wie müde ich bin.

 

Habe schon die Nase von der Arbeit gestrichen voll. Meine Überstunden steigen ins Unermessliche, noch dazu muss ich mich nach Jugendhilfen, Caritas-Kram, Finanzunterstützungen und Wohnungen sowie Umzugsmöglichkeiten umschauen. Bin einfach nur fertig.

Arbeite morgen zu meinem Unglück am Abend. Und das am Samstag -.-... Das bedeutet wieder "Weekly Report" verfassen. Ich könnte kotzen.

Wieder Dreisatz! Wieder diese elende Zählerei! Dieser verdammte Stress mit der Tabellenschreiberei! Ich habe einfach keine Lust darauf. Was erwarten diese Leute von einer Aushilfe? Manchmal würde ich alles am liebsten schmeissen, jedoch sagt mir eine kleine Stimme: "Komm, lehn dich zurück. Dieser Job ist nicht deine Lebenserfüllung. Solange du alles andere richtig machst, sollten sie nicht meckern. Noch dazu, hast du so viele Überstunden gemacht - also was erwarten die von dir?".

 

***

 

War vor kurzem mit A. und seiner Mom einkaufen. Nicht, als ob ich etwas gegen "Penny" hätte, aber St. Georg und vorallem der Steindamm sind echt furchteinflößend. Vielmehr sogar die Gestalten, die dort rumalufen. Alle total versifft, bekifft, besoffen, verkorkst, auf Drogen - verhalten sich so, als müssten sie alle umstehenden Leute anmachen, oder nutzen die Situation ignorant aus und knutschen wild vor der Kassiererin. Ich war ein wenig verwirrt @.@...

 

Kann mich an diese Situation immer noch nicht gewöhnen, dass ich momentan bei A. und seiner Mom wohne. Meine Mutter hat gestern zuhaus angerufen und wollte wissen wo ich bin. Weder Dad noch J. haben ihr eine genaue Angabe gemacht. Es hieß nur "Sie ist nicht da.", dann war sie besorgt und wollte umgehend wissen, was passiert sei.

Kurz darauf habe ich sie von A. aus angerufen, und es hat gedauert ihr die Situation zu schildern. Wieder war ich in Tränen aufgelöst. Sie wollte, dass ich Heim kehre, auch wenn sie gerade in Polen sei. Sie konnte selbst keine Worte finden. Ihre Fragen waren nur "Und was machst du jetzt?! Wie stellst du dir alles weitere vor?! Was ist mit deiner Ausbildung?!".

Erst als ich ihr genau erklärte, wieso ich nicht wieder zurück kehren kann, und dass ich einen Schock erlitten habe sowie Angst davor Dad gegenüber zu treten, begann sie zu verstehen. Ich habe hysterisch geweint. Sie fehlt mir so. Dann hat sie sich aufgeregt, als ich ihr die Wahrheit über die Zustände im Haus berichtet habe.

Sie sagte zu mir "Ich rufe ihn an. Wirklich, ich lasse mich von ihm scheiden!". Dann musste ich erst recht weinen. Wahrscheinlich, weil ich dachte, dass ich wieder alles kaputt mache. Weil mir das immer so eingeredet wurde, dass alle Probleme zwischen Mom und Dad nur durch mich kämen (so Dad). Nur weil ich jetzt "abgehauen" bin, sollte alles zebrechen? Das ging in meinen Kopf nicht rein. Das war mir einfach zuviel. Später schrieb mir Dad eine SMS, ich solle doch auf die Bitte Mamas nach Hause kommen, und erst dann ausziehen, wenn sie wieder zurück käme und ich es für richtig halten würde.

Später musste ich sie wieder anrufen, um ihr klar zu machen, dass mir alles recht sei, solange ich nicht mit ihm unter einem Dach sein muss.

 

Ich hasse dieses Leben.

 

Ich habe so wahnsinnig Heimweh. Bei A. und seiner Mom fühle ich mich nicht wie zuhaus. Mir fehlt das Gefühl von Geborgenheit. Der Geruch meiner Bettwäsche, der pinke Anstrich der Küche, die gesunde Küche, immer frisches Obst und Gemüse, saubere Räume, meine Schlaftierchen, mein Bett... alles.

Mir fehlt alles, was ich nicht mit mir mitnehmen konnte. Ich will einfach nur noch alleine sein, mich einschließen und weinen. Wie ein kleines Kind, weil mir nichts anderes einfällt.

 

Habe mir gestern Knäcke und Cottage Cheese gekauft - werde die Tage auch komplett für mein Essen sorgen müssen (aber das ist okay, dann kann ich endlich alleine zumindest bisschen wirtschaften :P) - aber auch da werde ich schon wieder sentimental. Alles erinnert mich ein wenig an zuhaus, und das will ich mir auch bewahren, doch ich fühle mich so furchtbar allein, dass ich das Gefühl hab innerlich zu verkommen.

 

***

 

Einziger Lichtblick: Ich habe innerhalb von wenigen Tagen ein wenig abgespeckt. Habe heute auf der Waage eine 57,2 gesehen. Das hat mich wenigstens etwas aufgemuntert. Komme hier ja eh nicht zum Essen, außerdem vergeht mir die Lust immer häufiger darauf.

 

lG.

 

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